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Pfingsttreffen der Landsmannschaften von Straftaten überschattet

Landsmannschaften im Coburger Convent setzen Belohnung für Ergreifung linker Mützendiebe aus

Dienstag, 17 Mai 2016 15:22 geschrieben von  Ralph Eichert
Landsmannschaften im Coburger Convent setzen Belohnung für Ergreifung linker Mützendiebe aus Bildquelle: coburger-convent.de

Coburg - Jedes Jahr über Pfingsten findet im fränkischen Coburg das Traditionstreffen der akademischen Landsmannschaften und Turnerschaften aus Deutschland und Österreich statt. Der diesjährige Pfingstkongress wurde von einem Vertreter der präsidierenden Landsmannschaft Rhenania Münster und Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) eröffnet.

Verteilt auf 45 Hochschulorte gehören dem Dachverband der Landsmannschafter und Turnerschafter, dem Coburger Convent (CC), rund hundert farbentragende und pflichtschlagende Studentenverbindungen an. Deren Mitglieder – etwa 10.000 aktive Studenten und Alte Herren – sehen sich wie die Mitgliedsbünde der Deutschen Burschenschaft (DB) regelmäßig linken Protesten und Angriffen ausgesetzt.

Beliebt ist in linken Kreisen auch der gezielte Raub der Mützen der Verbindungsstudenten. Schon am Freitagabend und am Samstagmorgen meldete die Polizeiinspektion Coburg die ersten Übergriffe auf Korporierte mit zwei von Köpfen gerissenen und dann gestohlenen Mützen. Einer der Täter konnte festgenommen werden, den nun eine Anzeige wegen Diebstahls erwartet.

Um die Polizeiarbeit zu unterstützen, hatte der Coburger Convent schon am Freitag eine Belohnung von jeweils 500 Euro für Hinweise ausgelobt, die zur Ergreifung von Mützendieben führen.

CC-Pressesprecher Frank Klauss begründete diesen Schritt damit, dass seine Verbandsbrüder „seit Jahren und nicht nur vereinzelt zur Zielscheibe von Straftätern“ würden. Im letzten Jahr sei sogar ein dem Coburger Convent angehörender Rollstuhlfahrer von Angreifern „nicht unerheblich“ verletzt worden. Neben Mützendiebstählen seien regelmäßig auch zerstochene Autoreifen sowie Schmierereien und andere Beschädigungen am Ehrenmal der Landsmannschafter im Hofgarten zu registrieren. Klaussbedauerte: „Bis heute konnten trotz erheblicher Anstrengungen der Strafverfolgungsbehörden die meisten dieser Straftaten nicht aufgeklärt werden.“

In einer Presseerklärung des CC heißt es deshalb: „Um die Arbeit der Behörden zu unterstützen, lobt der Coburger Convent eine Belohnung von jeweils 500 Euro für denjenigen aus, der der Polizei Hinweise liefert, die zur Ergreifung und Überführung von Personen führen, die im Umfeld des Pfingstkongresses 2016 das CC-Ehrenmal beschmieren und/oder beschädigen, CC-Angehörigen die Mützen stehlen, diese verletzen und/oder generell im Stadtgebiet von Coburg während des Pfingstkongresses Fahrzeugreifen zerstechen.“

Verständnis für die Prämie äußerten Vertreter von CSU und FDP. Hans-Herbert Hartan, langjähriger Vorsitzender der CSU-Fraktion im Coburger Stadtrat, sagte: „Es ist schon auffällig, mit welcher Intensität man dem CC aus bestimmten linken Kreisen begegnet.“ Die Auslobung der Belohnung findet er deshalb nachvollziehbar.

Grünen-Stadtrat Wolf-Rüdiger Benzel kritisierte hingegen die „Kopfgeld“-Aktion und verharmloste die linken Straftaten mit den Worten: „Wenn sich der Convent in Coburg durch Andersdenkende so bedrängt fühlt und seinen Protest auf diese Art kundtut, dann ist das einfach nur peinlich.“

Klare Worte der Verurteilung fand SPD-Oberbürgermeister Norbert Tessmer: „Der CC hat das gleiche Recht wie jeder Bürger, privat eine Belohnung für Hinweise auszusetzen. Ich verurteile jede Art von Straftaten in unserer Stadt.“ Tessmer stellte klar: „Der CC und seine Mitglieder sind gern gesehene Gäste in unserer Stadt, die wir freundlich und respektvoll willkommen heißen.“

Obwohl sich die Landsmannschaften im Gegensatz zu den Mitgliedsbünden der Deutschen Burschenschaft, die großen Wert auf ein Bekenntnis zur deutschen Nation legen, betont unpolitisch geben, demonstrierte die Initiative „Studentische Verbindungen auflösen“ über Pfingsten mit etwa 60 Personen gegen den CC. Mitveranstalter Andreas Funk klagte aber, dass Coburg für Linksbündnisse „eine so strukturschwache Gegend ist“.

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