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Genossen auf dem Weg in die Belanglosigkeit

Schock-Umfrage: Bayern-SPD am Rande der 5-Prozent-Hürde

Dienstag, 29 Januar 2019 14:32 geschrieben von 

München - Die bayerische SPD hat es traditionell nicht einfach: In Großstädten ist sie zwar bei Personenwahlen erfolgreich, aber insbesondere auf dem Land kriegt sie keinen Fuß auf den Boden. Lange Zeit war dafür neben der starken Verankerung der CSU in allen sozialen Milieus vor allem der christlich-soziale Kurs der Partei, der in gewisser Weise auch für wirtschaftspolitisch eher linksstehende Wähler attraktiv war.

6 Prozent für die SPD

Jetzt, wo gerade in den urbanen Hochburgen die Grünen als linke Kraft reüssieren und die alten Arbeitermilieus wegbrechen, schwimmen den Sozialdemokraten endgültig die Felle davon. Zu diesem Eindruck kommt man jedenfalls in Anbetracht der aktuellen Schock-Umfrage von Forsa, die die SPD in Bayern erstmals nahe an der 5-Prozent-Hürde sieht. Gerade einmal 6 Prozent der Wähler würden sich noch für die ehemalige Arbeiterpartei entscheiden, prognostizieren die Wahlforscher. Die CSU würde ihr Wahlergebnis mit 38 Prozent in etwa wieder erreichen, die Grünen mit 23 Prozent sogar noch stärker werden. Bei FDP (5 Prozent), Linken (3 Prozent) und Freien Wählern (12 Prozent) bliebe in etwa alles beim Alten. Die AfD würde zwei Prozent abgeben und auf acht Prozent kommen, liegt jedoch bei Forsa stets etwas niedriger als in anderen Umfragen.

Rückschlag für farblose Natascha Kohnen

Die Umfrage ist ein herber Rückschlag für die gerade erst mit immerhin knapp 80 Prozent der Stimmen im Amt bestätigte SPD-Landesvorsitzende Natascha Kohnen. Trotz des 9,7-Prozent-Debakels wurde die Frau wieder an die Spitze der Landespartei gewählt – wohl auch mangels Alternativen. Denn neue Politikkonzepte hat Kohnen nicht anzubieten: Ein bisschen mehr Umweltschutz, weniger Neoliberalismus und der Schwarze Peter für die Bundespartei, die an allem Schuld sei.

CDU und Freie Wähler können das Ansehen ihrer Koalition steigern

Die „Bayern-Koalition“ aus CSU und Freien Wählern kommt hingegen richtig gut an. Allein Söder konnte seinen Zufriedenheitswert um 16 Punkte auf immerhin 49 Prozent steigern. Auch die Zufriedenheit mit der Koalition stieg um sieben Punkte auf 50 Prozent. 85 Prozent der CSU-Wähler sind mit ihrer Politik einverstanden und immerhin 72 Prozent der FW-Wähler, die jedoch mit Söder (Zufriedenheitsrate von 51 Prozent) noch immer nicht so recht warm werden. Ob dieser Umstand am Ende die Partei, die eigentlich gar keine sein will, zerreisst, wird die Zukunft zeigen.

Ablehnung bei den Grünen, Versöhnliches von AfD-Wählern

Hauptgegner von Söder sind mittlerweile die Grünen: Das merkt man auch daran, dass er in ihrem Lager mit 74 Prozent mit Abstand am stärksten abgelehnt wird. Selbst bei Anhängern der Linken findet er mehr Rückhalt. Erstaunlich: Von allen Oppositionsparteien sind die AfD-Wähler mit einer Ablehnungsquote von 54 Prozent noch am ehesten zufrieden.

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Robin Classen

Robin Classen (Jahrgang 1991) hat Rechtswissenschaften an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz studiert und ist seit 2008 als freier Journalist tätig.

Er ist politisch in der AfD aktiv und widmet auch seine Freizeit als Mitglied eines Vereins für internationale Brieffreundschaften dem Schreiben.

Seine Artikel behandeln bevorzugt politische Themen. Er versteht sich jedoch als journalistischer Allrounder mit einem breiten Themenspektrum.

Seit Mai 2017 gehört er der Redaktion von BAYERN DEPESCHE an.

Webseite: https://www.bayern-depesche.de/show/author/57-robin-classen.html
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