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Typ Georg Leber oder Norbert Blüm im Deutschland 2018

Roland Magerl (AfD) kämpft im Landtagswahlkampf für Arbeitnehmer und die Oberpfalz

Freitag, 14 September 2018 12:57 geschrieben von 
Roland Magerl kämpft in der Oberpfalz für eine starke Arbeitnehmervertretung innerhalb der AfD Roland Magerl kämpft in der Oberpfalz für eine starke Arbeitnehmervertretung innerhalb der AfD Quelle: Roland Magerl

Weiden i.d.OPf. – Bayerns Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer (CSU) bezeichnete die Lage auf dem Arbeitsmarkt kürzlich als „weiterhin ausgezeichnet“. Die aktuellen Daten sprechen für diese Aussage. So lag die Arbeitslosenquote im Freistaat im August durchschnittlich bei 2,9 Prozent, in der Oberpfalz sogar bei 2,6 Prozent. Bayern liegt damit deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt von 5,2 Prozent.

Die nackten Zahlen sagen allerdings nichts über die soziale Lage der arbeitenden Bevölkerung aus. Unter den Beschäftigten befinden sich zahlreiche Geringverdiener und Menschen, die sich mit befristeten Arbeitsverträgen oder Leih- und Zeitarbeit über Wasser halten müssen. Kritiker bemängeln, dass so der Aufbau einer armutsfesten Rente kaum möglich ist. Genau hier setzt der 45-jährige Elektroniker Roland Magerl (AfD) aus Mantel an, der sich als soziales Gewissen und Vertreter von Arbeitnehmerinteressen präsentiert.

Magerl führt die Liste der AfD in der Oberpfalz für die Landtagswahl am 14. Oktober an und ist in der Region als bodenständiger und engagierter Politiker mit Herz für die kleinen Leute bekannt. Der Betriebsratsvorsitzendebei BHS Corrugated in Weiherhammer will die AfD nicht als Ein-Themen-Partei verstanden wissen, die sich nur mit Asyl und Zuwanderung beschäftigtUnd schon gar nicht sieht er in der neuen Kraft eine Partei, die sich einseitig wirtschaftsliberal positioniert.

Ehrenamtlicher Rettungssanitäter

Magerl ist ein Vertreter des sogenannten sozialpatriotischen Flügels und setzt den Schwerpunkt seiner Arbeit auf die Stärkung der Arbeitnehmerrechteund eine bessere Unterstützung von Einkommensschwachen. Entsprechend formuliert der AfD-Kreisvorsitzende für Tirschenreuth, Neustadt an der Waldnaab und Weiden auch seine politischen Ziele.

Es geht ihm beispielsweise darum, die Pflege aufzuwerten, Pflegekräfte zu entlasten, und den Pflegenotstand zu beenden, aber nicht durch Anwerbung von Fachkräften aus Südosteuropa, wie es Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vorhat, sondern durch das Ausschöpfen der Potenziale im eigenen Land.

Auch die Position der Rettungskräfte will er verbessern und eine flächendeckende Notfallversorgung im Freistaat schaffen. Dieser Schwerpunkt ist nicht weiter verwunderlich, ist Magerl in seiner Freizeit doch als Rettungssanitäter und Führungskraft beim Roten Kreuz tätig. 200 bis 250 Stunden leiste er ehrenamtlich pro Jahr, meist in der Nachtschicht im Krankenwagen, gab er einmal gegenüber dem Lokalblatt „Der neue Tag“ an.

Soziales Gewissen der AfD Bayern

Prekäre Beschäftigungsverhältnisse sind dem AfD-Sozialpolitiker ein Dorn im Auge. Daher will er die Arbeitnehmerüberlassung beschränkt und Leih- und Zeitarbeiter gerecht entlohnt sehen. Dienstleistungsverträge sollten eingeschränkt und die Tarifflucht verhindert werden, meint Magerl, der sich auf Betriebsebene schon lange dafür einsetzt.

Mit dieser Ausrichtung macht er vor allem der SPD Konkurrenz, die sich auch in Bayern derzeit im Umfragetief befindet. Magerl war früher selbst Mitglied der Parteihat sich dann aber im Zuge der Hartz-Reformen 2005 enttäuscht von SozialdemokratieabgewandtDas erinnert an AfD-Bundesvorstandsmitglied Guido Reil aus Essen, der eine ähnliche politische Vita hat – inklusive Betriebsrat. Magerl ist gewissermaßen die bayerische Variante des Ruhrpott-Bergmanns. Christoph Steier, Kandidat der AfD aus dem Wahlkreis Dachau/Oberbayern nennt Roland Magerl einen Freund. Hans-Jörg Müller, parlamentarischer Geschäftsführer der AfD Fraktion im Deutschen Bundestag, wünschte sich noch viele mehr solcher "echter Arbeitnehmervertreter" vom Schlage Reils oder Magerls. Die SPD, so Hans-Jörg Müller, sei ja längst keine Arbeiterpartei mehr und habe sich mit der Lobby türkischstämmiger Erdogan-Apologeten im Lehrerzimmer vor echten Arbeitnehmern verschanzt. "Roland Magerl und Guido Reil stehen heute für das, was früher ein Norbert Blüm oder ein Georg Leber bei CDU und SPD lebten!"

Für beide Politiker ist die AfD wohl die „neue Arbeiterpartei“, was sich durch Untersuchungen von Wahlforschern, die für Arbeiter und sozial Schwache regelmäßig besonders hohe AfD-Werte ausweisen, durchaus stützen lässt. Entsprechend giftig reagiert die oberpfälzische SPD auf Magerls Sozial-Wahlkampf und versucht, ihn in die rechtsradikale Ecke zu drängen – etwa, weil er mit dem Partei-Rechtsaußen Björn Höckeaus Thüringen gemeinsam auf einer Wahlkampfveranstaltung aufgetreten ist.

Ausgleichender Charakter

Das läuft aber ins Leere, denn vor Ort weiß man, dass der 1973 in Weiden geborene Energieelektroniker für Anlagentechnik, der sechs Jahre lang in Tschechien gearbeitet hat, kein Ausländerfeind oder gar Rassist ist. Magerl, der auch als ehrenamtlicher Sozialrichter am Sozialgericht Regensburg tätig ist, hatte sich in der Debatte um die Erdogan-Fotos von Mesut Özil und Ilkay Gündogan sogar für einen Verbleib der beiden türkischstämmigen Spieler im deutschen Nationalteam ausgesprochen. Gut habe er das Bild zwar nicht gefunden, „aber jeder langt mal daneben“, so der AfD-Politiker gegenüber „Der neue Tag“.

Die AfD zählt in der Oberpfalz rund 400 Mitglieder. Die stehen geschlossen hinter ihrem Spitzenkandidaten, hört man. Das zeigt, dass die Basis vor Ort eine Schärfung des sozialen Profils der Partei wünscht. Roland Magerl scheint dafür genau der richtige Mann zu sein, denn er kennt die Probleme und Bedürfnisse der Arbeiterschaft nicht nur aus der Theorie, sondern aus eigener Erfahrung. Das verleiht seiner politischen Agenda eine besondere Authentizität, die ihm – hinter vorgehaltener Hand freilich – auch CSU-Mitbewerber zusprechen. Diese Stärke dürfte Roland Magerl in den verbleibenden Wochen bis zur Landtagswahl voll ausspielen.

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Angela Prokoph-Schmitt

Angela Prokoph-Schmitt (Jahrgang 1968) ist eine leidenschaftliche Demokratin und im südhessischen Darmstadt aufgewachsen.

Sie ist Mitglied der CSU (Bayern) und der CDU (Hessen). Seit Juni 2017 führt sie auch die Redaktion von BAYERN DEPESCHE.

Webseite: https://www.bayern-depesche.de/show/author/54-angela-prokoph-schmitt.html
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