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Beim Wahlkampfauftakt der Dresdner AfD

Petr Bystron als Gastredner auf dem Dresdner Neumarkt

Mittwoch, 23 August 2017 11:31 geschrieben von  Jan Erbenfeld
Petr Bystron am Montag in Dresden Petr Bystron am Montag in Dresden Quelle: Jan Erbenfeld

Dresden – Montagabend auf dem Neumarkt, Wahlkampfauftakt der Dresdner AfD. Während der sich als „patriotisch“ verstehende Kreisverband Dresden abermals öffentlichkeitswirksam die Initiative ergreift, ist besagte Veranstaltung mit mehreren tausend Teilnehmern weder von der durch Frauke Petry geführten Landtags-, noch der Dresdner Stadtratsfraktion beworben worden, bleiben auch im Wahlkampf der Rechtspopulisten parteiinterne Rivalitäten unübersehbar.

Erster Hauptredner ist der Bundestags-Direktkandidat (Dresden 1) Jens Maier. Der Richter am Dresdner Landgericht war wegen umstrittener Äußerungen mehrfach ins Visier seines Arbeitgebers wie des eigenen Parteivorstandes geraten, beim Publikum ist er beliebt. In merkwürdigem Kontrast zu seinem biederen Habitus geizt Maier auch auf dem Neumarkt nicht mit markigen Worten: Deutschland müsse wieder „auferstehn“, „linke Schmarotzer“ sollten „auf den Müllhaufen der Geschichte“, statt „moralischem Geschwätz“ wolle der Jurist „Recht und Ordnung“. Die Antifa müsse zur „kriminellen oder terroristischen Organisation“ erklärt werden, und die Bundestagswahl werde ein „Tag der Abrechnung“.

Als „weibliches Gesicht der AfD“ wird Anka Willms offeriert, Direktkandidatin (Dresden 2 / Bautzen 2) aus der Oberlausitz. Die Diplomsoziologin sei „kein Pegidagänger“ und erst seit 2015 bei der AfD. Doch meckern allein helfe nicht, weshalb sie die „Inaktiven“ auffordern möchte, sich anzuschließen. Stichworte findet Willms beim Politikwissenschaftler Prof. Patzelt und dem jüngst aus der CDU ausgetretenen Theologen Frank Richter. Belustigung lösen die bald zitierten Äußerungen der Linkspolitikerin Halina Wawzyniak (MdB) aus, wonach die SED in der DDR ob ihrer Nationenbezogenheit eine „rechte Partei“ gewesen sei. Ist Karl Marx dann wegen seiner Islamkritik auch ein - „Rechter“?

Zuletzt der Gastredner aus Bayern, Petr Bystron. Der 1972 in Olmütz geborene AfD-Landesvorsitzende und Unternehmensberater entspricht so gar nicht dem Klischee des abgehängten Wutbürgers. Der Mann hat Humor und sieht attraktiv aus, im bundesdeutschen Politikbetrieb eine eher seltene Kombination. Dresden sei der Kern, der Ursprung von PEGIDA und schon einmal haben die Menschen hier 1989 auf der Straße gestanden, schlägt Bystron überraschend direkt die Brücke, indes die Geräuschkulisse der Antifa im Hintergrund beunruhigend anschwillt. Die Zustände in der Bundesrepublik 2017 ähnelten denen im Kommunismus, Ende der 80er Jahre. „Heute wie damals“ gebe es im Fernsehen eine „offizielle Wahrheit“, die von der Realität komplett abweiche. Heute wie damals hätten Menschen Angst, ihre Meinung frei zu äußern ...

Haben sie das, oder ist nicht auch diese Behauptung eher ein Gegenbeweis? Wie steht es tatsächlich um unsere Grundrechte? Schon am kommenden Montag wird auf Dresdens Straßen und Plätzen wieder erbittert darüber gestritten, Fortsetzung folgt!

Letzte Änderung am Donnerstag, 24 August 2017 17:01
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