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Ein bodenständiger Handwerksmeister strebt in die Landespolitik

Josef Seidl (AfD) will eine kaufkräftige Währung zurück und Familien in Bayern stärken

Dienstag, 09 Oktober 2018 19:57 geschrieben von 
Josef Seidl und Angela Prokoph Josef Seidl und Angela Prokoph Quelle: BAYERN DEPESCHE

Dingolfing - Der Handwerksmeister Josef Seidl ist ein durchaus sympathischer Typ, ein Bayer durch und durch. Er kandidiert zur Landtagswahl 2018 in Niederbayern.
Für BAYERN DEPESCHE haben wir uns mit Seidl getroffen und wollten mehr über ihn und seine politischen Vorstellungen erfahren.
Wofür steht er und was bewegt ihn?

BAYERN DEPESCHE: Herr Seidl, im Wahlkampf betonen Sie vor allem, dass nicht zuerst die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung unter Bundeskanzlerin Angela Merkel ihren Weg zur AfD bestimmt hat, sondern dass ausschlaggebend die EZB-Währungspolitik gewesen ist. Worin machen Sie ihre Kritik fest?

Josef Seidl: Die EZB-Politik, gerade unter EZB-Präsident Mario Draghi, ist aus meiner Sicht der sichere Weg in den Sozialismus. Der Euro wurde leider so aufgebaut, dass man ihn nicht nur als Gemeinschaftswährung, sondern auch als Umverteilungsprogramm unter den europäischen Staaten einsetzen kann. So wurde der Euro längst zum Politikum, er ist keine normale Währung mehr. Dafür müssen in der Hauptsache die Steuerzahler der wirtschaftlich leistungsfähigen Nordländer der Währungsunion bezahlen, allen voran Deutschland. Nur durch die beinahe schon verbrecherisch zu bezeichnende Konstruktion der Hereinnahme von bankrotten Staaten aus der südlichen Peripherie und einer Nicht-Umsetzung vielfältiger, vertraglich geregelter Schutzmechanismen, sowie durch die illegale Ausweitung der EZB-Kompetenzen konnte der Euro verkommen und ist inzwischen weit davon entfernt, ähnlich kaufkräftig wie das angebliche Vorbild D-Mark zu sein. Viele Bürger erinnern sich noch aus ihren persönlichen Erfahrungen an Urlaube mit der D-Mark. Damals gab's mehr fürs Geld. Ähnliche Vorteile genießen heute die Schweizer, die mit ihren Fränkli im Billigwährungsraum Euro reichlich urlauben und einkaufen. Das konnten einfache Bürger mit der D-Mark früher auch. Mit dem Euro geht das nicht mehr. Die Folgen für Deutschland sind ein durchschnittlich schlechterer Lebensstandard als vor 20 Jahren, eine ruinierte Altersvorsorge für Arbeiter, Angestellte und viele Selbstständige und eine explodierende Volksverschuldung von mehreren Billionen Euro durch diverse "Schutzschirme" und diese Target-Salden. Ich setze mich dafür ein, dieses System auf gerechte, volkswirtschaftlich fundierte und sinnvolle Weise abzuändern, mit allen politisch und rechtlich möglichen Schritten.

BAYERN DEPESCHE: Auch in der Familienpolitik nehmen Sie eine durchaus andere Haltung zur derzeitigen Landespolitik in Bayern ein. Was ist Ihnen in der Familienpolitik wichtig?

Josef Seidl: Die Familie ist die Grundlage jeder menschlichen Existenz und jeglicher Zukunft. Darum wurde sie von den Verfassungsgebern im Grundgesetz mit einem besonderen Schutz versehen. Faktisch ist dieser Schutzraum jedoch mittlerweile ausgehöhlt, ja geradezu entkernt worden. Ich werde mich dafür vehement einsetzen, dass Familie wieder möglich wird. Die Entscheidung seine Kinder in Einrichtungen zu geben, muss frei getroffen werden können und darf nicht länger von finanziellen Zwängen abhängig sein. 150 € Betreuungsgeld sind Augenwischerei und bieten nur eine Scheinfreiheit. Entweder der Betrag muss gehörig aufgestockt werden oder es muss für eine gewisse Zeit möglich sein, mit nur einem berufstätigen Elternteil oder alleinerziehend eine Familie zu versorgen. Ich werde daran arbeiten, ein verrottetes System wieder vom Kopf auf die Füße zu stellen.

BAYERN DEPESCHE: Das Thema Migration ist das Schlüsselthema einer inzwischen gespaltenen Bevölkerung. Die AfD ist in dem Thema grundsätzlich sehr klar positioniert. Welche Position ist ihre persönliche?

Josef Seidl: Früher war nur der übliche wie schädliche Abbau funktionierender Polizeikräfte Ausweis inkompetenter Innenpolitik, so ist es heute obendrein die tatenlose Hinnahme eines Sturms aus aller Herren Länder in unser Sozialsystem. Beides ist als bewusste Demontage unserer rechtsstaatlichen Ordnung und unseres noch funktionierendem Gemeinwesens zu sehen. Die Verantwortung tragen alle etablierten Parteien, besonders die Union, also hier die CSU in Bayern, die sich unter Angela Merkel als links gewendeter Arm einer bürgerlichen Mitte sieht, die jedoch so politisch nicht mehr von ihr vertreten wird.
Ich werde mich ganz entschieden und mit aller Kraft dafür einsetzen, den rechtskonformen Zustand in Migrationsfragen und bei Fragen der inneren Sicherheit wieder herzustellen. Horst Seehofer und Markus Söder, Merkels Ankündigungsvasallen der bayerischen "CDU", sind mit keiner in Aussicht gestellten Maßnahme zum Grenzschutz, zur Rückführung abgelehnter Wirtschaftsflüchtlinge oder sonstigen Aspekten zur Innenpolitik noch glaubwürdig. Sie hatten jahrelang alle Möglichkeiten eine vernünftige Politik vorzuweisen. Jetzt dürfte es zur Landtagswahl zu einer Abrechnung durch den Wähler und gegen die CSU kommen. Eine Söder-Feuerwehr, die erst lautstark mit dem Blaulicht zu kommen vorgibt, wenn längst die Grundfeste unseres Landes voll in Brand stehen, ist unglaubwürdig und muss ersetzt werden. Das ist der einzig zulässige Schluss, der folgen darf auf eine derart schädliche Politik für unsere Heimat.

BAYERN DEPESCHE: Im Bereich der Energiewende beklagen Sie den teuren Strom. Betrachten Sie die Energiewende als gescheitert?

Josef Seidl: Gut gemeint ist nicht gleich gut gemacht. Und gut gemacht bedeutet noch lange nicht das Richtige getan zu haben. Die Energiewende ist aus meiner Sicht ein einziges Desaster. Strom wird immer teurer. Strom muss immer bezahlt werden, wenn er als Flatterstrom zu unseren Nachbarn exportiert werden muss, damit unsere Netze nicht zusammenbrechen und ebenso, wenn er aufgrund von Dunkelflauten von ausländischen Kohle- oder Atomkraftwerken bezogen werden muss.

Dumm, dümmer, Energiewende!

Es gibt berechtigte Zweifel daran, dass dieses Jahrtausendprojekt aus naturgesetzlichen Gründen überhaupt umzusetzen ist. Es gibt bis dato keine erschwingliche und ausreichende, geschweige denn umweltfreundliche Speichertechnik. Grundlastfähige Kraftwerkstypen gehen nach und nach vom Netz (Atomkraftwerke,Stein- und Braunkohlekraftwerke). Zukünftig sollen Gaskraftwerke kurzfristig einspringen, um die Grundlast zu sichern. Diese können aber nur kostendeckend betrieben werden, wenn sie ständig Strom produzieren dürfen. Das alles verursacht Kosten in Billionenhöhe. Auf gut Bayerisch: Alles so klimawirksam wie ein Furz im Chiemsee! Sogar der IPCC weist als jährliche weltweit freigesetzte CO2 Menge 750 Gigatonnen aus. Menschen gemacht davon sind 33 Gigatonnen. Davon wiederum zeichnet Deutschland für 0,9 Gigatonnen verantwortlich. Und wiederum davon ist der Anteil, der laut Umweltbundesamt auf die Stromerzeugung entfällt 34 %. Mit anderen Worten: Der deutsche Steuerzahler zahlt Millionen von Euro für nicht mal homöopathisch zu bezeichnende Medizin. Aber nicht, ohne sich auch noch von der Entwicklung der neusten Generation von umweltfreundlichen und strahlungarmen Atomkraftwerken abzuschneiden. Wenn ich die zweite Jahrhundert-Dummheit von Frau Merkel und ihren angehängten Linksparteien neben der Grenzöffnung und Einladung zur weltweiten Teilhabe am deutschen Sozialsystem benennen darf, dann ist es die fortgesetzt verbockte Energiewende.

BAYERN DEPESCHE: Sehr harte, aber klare Aussagen zur Politik. Vielen Dank für das Gespräch.

Letzte Änderung am Dienstag, 09 Oktober 2018 21:50
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Angela Prokoph-Schmitt

Angela Prokoph-Schmitt (Jahrgang 1968) ist eine leidenschaftliche Demokratin und im südhessischen Darmstadt aufgewachsen.

Sie ist Mitglied der CSU (Bayern) und der CDU (Hessen). Seit Juni 2017 führt sie auch die Redaktion von BAYERN DEPESCHE.

Webseite: https://www.bayern-depesche.de/show/author/54-angela-prokoph-schmitt.html
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