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Nach Wortmeldung wird Innenminister Profilierungssucht vorgeworfen

Joachim Herrmann (CSU): Zwei Fehler des Fahrdienstleiters führten zum Unglück von Bad Aibling

Mittwoch, 30 März 2016 18:27 geschrieben von  Axel Frohmeier
Joachim Herrmann, MdL Joachim Herrmann, MdL © Bayerisches Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr

Bad Aibling/München - Schon kurz nach dem schweren Zugunglück in Bad Aibling am 9. Februar geriet der zuständige Fahrdienstleiter ins Visier der Ermittler. Nach Angaben des Leitenden Traunsteiner Oberstaatsanwaltes Wolfgang Giese war dessen Fehlverhalten ursächlich für den Frontalzusammenstoß zweier Regionalzüge auf der Strecke von Holzkirchen nach Rosenheim mit 11 Toten und mehr als 80 Verletzten. Giese sagte Mitte Februar: „Hätte er sich regelgemäß, also pflichtgerecht, verhalten, wäre es nicht zum Zusammenstoß gekommen.“

Gegen den 39-jährigen Fahrdienstleiter mit langjähriger Berufserfahrung wurde ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung sowie wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr eingeleitet. Eine Vorsatztat konnten die Behörden sofort ausschließen.

Nun hat sich Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) mit Informationen zum aktuellen Ermittlungsstand an die Öffentlichkeit gewandt. Demnach ist das Zugunglück auf einen zweifachen Fehler des Fahrdienstleiters zurückzuführen.

Zuerst habe dieser die eingleisige Strecke für zwei Züge gleichzeitig freigegeben und dann einen fehlgeleiteten Notruf abgesendet. Der Innenminister erklärt das Geschehen so: „Es war eine ganz besonders tragische Verkettung von gleich zwei Fehlleistungen. Der Fahrdienstleiter hat, als er seinen ersten Irrtum bemerkte, einen ersten Warnfunkspruch an die beiden Lokführer schicken wollen. Er hat – möglicherweise aus Aufregung – jedoch die falsche Taste gedrückt.“ Herrmann sagt weiter: „Der Funkspruch ging an die Fahrdienstleiter in der näheren Umgebung. Die haben sich daraufhin bei ihm gemeldet. Daraufhin schickte der Fahrdienstleiter einen zweiten Funkspruch an die Lokführer. Diesmal drückte er die richtige Taste, aber da war es schon zu spät.“

Die Wortmeldung des CSU-Politikers sorgt bei Polizei und Staatsanwaltschaft für Unverständnis. Das Polizeipräsidium Oberbayern-Süd und die zuständige Staatsanwaltschaft in Traunstein hatten nämlich die Absprache getroffen, Einzelheiten zum Fehlverhalten des Fahrdienstleiters erst bekanntzugeben, wenn ein anklagereifes Ermittlungsergebnis vorliegt und der Staatsanwaltschaft ein polizeilicher Schlussbericht zugegangen ist.

Herrmanns eigenmächtige Bekanntgabe bisheriger Ermittlungsergebnisse wird ihm von vielen als Schlagzeilen- und Profilierungssucht auf Kosten der Toten von Bad Aibling angekreidet.

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