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Mörtel-Gold für den Gentleman?

Dolphin Trust: Charles Smethurst umschifft bei Sanierung von Denkmal-Immobilien juristische Klippen

Freitag, 24 August 2018 05:08 geschrieben von 
Charles Smethurst von der Dolphin Trust Charles Smethurst von der Dolphin Trust Quelle: BAYERN DEPESCHE

Langenhagen – Charles Smethurst gilt im deutschen Immobilienmarkt als der "Gentleman". Britische Wurzeln und beste Manieren im Umgang mit Menschen haben ihm diesen Namen beschert. Sein Geschäft ist die Sanierung von Denkmalschutz-Immobilien. Solche alten Häuser bewahren historische Baukunst für die Nachwelt. In den Denkmalschutzgesetzen der Bundesländer werden sie als Immobilien definiert, deren Nutzung und Erhaltung im öffentlichen Interesse liegt. Im Niedersächsischen Denkmalschutzgesetz (NDSchG) von 1978, das im Jahr 2011 aktualisiert wurde, findet sich unter Paragraf 3 Absatz 2 folgende Begriffsbestimmung von Denkmal-Immobilien: „Baudenkmale sind bauliche Anlagen, Teile baulicher Anlagen, Grünanlagen und Friedhofsanlagen, an deren Erhaltung wegen ihrer geschichtlichen, künstlerischen, wissenschaftlichen oder städtebaulichen Bedeutung ein öffentliches Interesse besteht.“ In Absatz 3 heißt es: „Baudenkmal ist auch eine Gruppe baulicher Anlagen, die aus den in Absatz 2 genannten Gründen erhaltenswert ist, unabhängig davon, ob die einzelnen baulichen Anlagen für sich Baudenkmale sind. Pflanzen, Frei- und Wasserflächen in der Umgebung eines Baudenkmals und Zubehör eines Baudenkmals gelten als Teile des Baudenkmals, wenn sie mit diesem eine Einheit bilden, die aus den in Absatz 2 genannten Gründen erhaltenswert ist.“ Die Kulturdenkmale werden in ein vom Landesamt für Denkmalpflege aufgestelltes und fortgeführtes Verzeichnis eingetragen. Die unteren Denkmalschutzbehörden und die Gemeinden führen für ihr Gebiet die Auszüge aus dem Verzeichnis.

In Paragraf 6 des Niedersächsischen Denkmalschutzgesetzes ist die Erhaltungspflicht für Denkmal-Immobilien festgeschrieben: „Kulturdenkmale sind instand zu halten, zu pflegen, vor Gefährdung zu schützen und, wenn nötig, instand zu setzen. Verpflichtet sind der Eigentümer oder Erbbauberechtigte und der Nießbraucher; neben ihnen ist verpflichtet, wer die tatsächliche Gewalt über das Kulturdenkmal ausübt. Die Verpflichteten oder die von ihnen Beauftragten haben die erforderlichen Arbeiten fachgerecht durchzuführen. Kulturdenkmale dürfen nicht zerstört, gefährdet oder so verändert oder von ihrem Platz entfernt werden, dass ihr Denkmalwert beeinträchtigt wird.“ Erhaltungsmaßnahmen können seitens der Behörden aber nicht verlangt werden, wenn diese den Verpflichteten wirtschaftlich unzumutbar belasten würden.

Für Denkmäler sanierende Unternehmen wie die im niedersächsischen Langenhagen ansässige Dolphin Trust GmbH ist Paragraf 7 des NDSchG wichtig. Demnach ist ein baulicher Eingriff in ein Kulturdenkmal dann zu genehmigen, wenn erstens der Eingriff aus wissenschaftlichen Gründen im öffentlichen Interesse liegt, zweitens ein öffentliches Interesse anderer Art, zum Beispiel die nachhaltige energetische Verbesserung des Kulturdenkmals, der Einsatz erneuerbarer Energien oder die Berücksichtigung der Belange von alten Menschen und Menschen mit Behinderungen, das Interesse an der unveränderten Erhaltung des Kulturdenkmals überwiegt und den Eingriff zwingend verlangt oder drittens die unveränderte Erhaltung den Verpflichteten wirtschaftlich unzumutbar belastet.

Die Dolphin Trust GmbH hat sich auf das Herrichten von denkmalgeschützten Wohnimmobilien als Kapitalanlagen spezialisiert und verfolgt mit einem großen Partner-Netzwerk das Ziel, „Baudenkmale fachgerecht zu sanieren und dauerhaft bewohnbar zu machen“. Mit einem Team von Baumeistern und Denkmalexperten, Projektentwicklern, Architekten und Managementprofis stützt man sich nach eigener Aussage auf gute Kontakte in die Planungs-, Baufinanzierungs- und Bauausführungsbranche. Die Leidenschaft für alte Gebäude und Denkmale erklärt Dolphin-Geschäftsführer Charles Smethurst so: „Denkmalschutz ist in Deutschland das Fundament kollektiver Erinnerung. Er ist gesetzlich verankert und hat eine lange Tradition. Historische Gebäude geben uns Aufschluss über den Alltag einer längst vergangenen Zeit. Wir verstehen Denkmal-Immobilien als Zeugnisse unserer Kultur, den Wechselwirkungen von Wirtschaft und Politik und über allem der Kunst. Aus diesem Grund arbeiten wir detailverliebt und visionär, unermüdlich und am Puls der Zeit, konzentriert und erfolgreich.“

Wer in eine Denkmal-Immobilie investieren will, um sie aus Liebhaberei selbst zu bewohnen oder renditeträchtig zu vermieten, ist heutzutage auf versierte Immobiliensanierer wie Dolphin angewiesen, um sich ohne Umbauverzögerungen, Behördenstreit und explodierende Kosten den Weg durch das Dickicht des Denkmalschutzrechtes zu bahnen. Schließlich bedürfen Instandsetzungs- und Wiederherstellungsmaßnahmen an Baudenkmalen der Genehmigung der Denkmalschutzbehörde. Um private Investoren aber nicht zu verschrecken, heißt es in Paragraf 9 des NDSchG entgegenkommend: „Baudenkmale ist eine Nutzung anzustreben, die ihre Erhaltung auf Dauer gewährleistet. Das Land, die Gemeinden, die Landkreise und die sonstigen Kommunalverbände sollen die Eigentümer und sonstigen Nutzungsberechtigten hierbei unterstützen. Ein Eingriff in ein Baudenkmal, der dessen Nutzbarkeit nachhaltig verbessert, kann auch dann genehmigt werden, wenn er den Denkmalwert wegen des Einsatzes zeitgemäßer Materialien oder neuer Modernisierungstechniken nur geringfügig beeinträchtigt.“

Der vom Deutsch-Briten Charles Smethurst geführte Projektentwickler verfügt dem Vernehmen nach über ein Portfolio von 60 Immobilienprojekten mit einem Investitionsvolumen von rund einer Milliarde Euro. Dolphin Trust verweist auf deutschlandweite Aktivitäten zur Rettung von Baudenkmälern: „Vom Schwarzwald im Süden bis zur Hansestadt Hamburg und Flensburg im Norden, von Köln und Baden-Baden im Westen bis nach Leipzig im Osten – überall prägen von uns rekonstruierte Denkmale die Stadtbilder und zeigen eindrucksvolle Baugeschichte. Wohnhäuser aus dem 18. Jahrhundert gehören dazu ebenso wie imposante, große Verwaltungsgebäude aus der Gründerzeit, historische Militäranlagen aus dem 19. und 20. Jahrhundert sowie stattliche Industriegebäude der jüngeren Vergangenheit.“

Das niedersächsische Unternehmen übernimmt neben einer fachmännischen Sanierung von Denkmal-Immobilien für Wohnzwecke auch die Erweiterung bestehender Baudenkmale um Neubauten. Mit dieser modernen Form der Quartierentwicklung wird die allgemeine Wohnkapazität erheblich erweitert und so ein Beitrag zur Wohnraumbedarfsdeckung geleistet.

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Angela Prokoph-Schmitt

Angela Prokoph-Schmitt (Jahrgang 1968) ist eine leidenschaftliche Demokratin und im südhessischen Darmstadt aufgewachsen.

Sie ist Mitglied der CSU (Bayern) und der CDU (Hessen). Seit Juni 2017 führt sie auch die Redaktion von BAYERN DEPESCHE.

Webseite: https://www.bayern-depesche.de/show/author/54-angela-prokoph-schmitt.html
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