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Ein bitterböser Einwurf

Der Türke kommt: Recep Tayyip Erdogan will Deutschland beehren

Donnerstag, 09 August 2018 15:14 geschrieben von 
Der Türke kommt: Recep Tayyip Erdogan will Deutschland beehren Quelle: Claudio Michele Mancini

München - Jetzt ist es amtlich:  Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat Recep Tayyip Erdogan, den Despoten aus dem Morgenland, zu einem offiziellen Staatsbesuch nach Deutschland gebeten. Mit allen militärischen Ehren, versteht sich. Erinnern wir uns zurück. Gleich nach seiner Wiederwahl hat der Autokrat selbst angekündigt, Deutschland heimzusuchen.

Jetzt hat der Bundespräsident eilig die türkische Besuchsoffensive zur Einladung umgewidmet, um der Drohung des Orientalen aus Istanbul einen freundschaftlichen Anstrich zu verleihen.

Natürlich wird für den Türken auch ein Staatsbankett ausgerichtet. Hört man in die „Deutsche Seele“ hinein – sofern es so etwas überhaupt gibt -, scheint die Regierung alles zu tun, den Willen der eigenen Bürger vollständig zu missachten. So verwundert es nicht, dass sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) keinen Deut darum schert, ob ihre Wähler ein Treffen mit dem Gewaltherrscher goutieren oder nicht.

Immerhin haben sich in einer repräsentativen Umfrage 86% der Deutschen gegen den Besuch ausgesprochen, wenngleich es immer noch jede Menge Deutsche an türkische Urlaubsstrände lockt - weil es gerade so schön billig ist. Dennoch, die ignorante und arrogante Missachtung eines breiten Bürgerwillens ist inzwischen kaum noch zu ertragen.

Ich würde mich nicht wundern, wenn sich die Mehrheit der Deutschen hämisch wünschte, dass der türkischen Delegation eine große Portion Schweinefleisch zum Hauptgang gereicht würde. Denn kaum ein Staatsmann ist hierzulande unbeliebter, als der absolutistische Sultan.

Über die Einzelheiten des Programms würde man sich noch intensiv absprechen, so hieß es aus offiziellen Quellen. Profilneurotisch wie der Herrscher aller Türken ist, hat er sicher den brennenden Wunsch, in Deutschland zu seinen Untertanen zu sprechen. Man darf gespannt sein, ob sich bei Angela Merkel im Oberstübchen ein lichter Moment zeigt, um einem solchen Ansinnen einen Riegel vorzuschieben.

Selbstredend stellt sich damit die Frage, was Recep Tayyip Erdogan in Deutschland außerdem noch will – und zwar just zu einem Zeitpunkt, da die türkische Lira und mit ihr die türkische Wirtschaft ins Bodenlose abstürzt. Man könnte sich die Antwort leicht machen: Ganz sicher Geld. Ganz sicher auch Waffen, die er mit Vorliebe gegen die eigenen Landsleute einsetzt. Die Türkei wirft Deutschland seit langem vor, nicht gegen die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK und gegen die Bewegung des Predigers Fethullah Gülen vorzugehen, ob wohl im Land der Teppichknüpfer bekannt sein müsste, dass Deutschlands Staatsform Demokratie heißt und nicht etwa Diktatur.

Seit dem Putschversuch geht die Türkei unter anderem gegen mutmaßliche Anhänger des Predigers vor. Nach letzten offiziellen Angaben sitzen im Zusammenhang mit den Ermittlungen nach dem Putschversuch mehr als 20.000 Verdächtige in Untersuchungshaft, darunter Soldaten, Richter, Staatsanwälte und Journalisten. Zehntausende Menschen wurden zudem aus dem Staatsdienst entlassen. Jetzt legte sich Erdogan auch mit den USA an und drohte Trump unverhohlen mit einem christlichen Pastor aus den USA, den er in einer Nacht- und Nebelaktion einfangen ließ.

Ohne Aussicht auf Freilassung oder auch nur eine Anklage sitzt der amerikanische Pastor Andrew Brunson in der Türkei hinter Gittern. Der Pfarrer der freikirchlichen Auferstehungsgemeinde in Izmir lebt seit über 20 Jahren in der Türkei. Nun werden ihm terroristische Umtriebe vorgeworfen. Der Fall ist auf höchster Ebene angekommen: bei Trump und Erdogan. Die Sache ist klar: Pastor Andrew Brunson ist das Faustpfand für Gülen den er im Tauschhandel in die Finger bekommen will. Die Mafia oder die ‚Ndrangheta macht das so ähnlich. Da weiß man doch, mit wem man es zu tun hat.

Die Tatsache, dass Aussenminister Heiko Maas (SPD) vor Tagen angekündigt hat, auch „konfliktreiche Themen“ ansprechen zu wollen, etwa die Lage inhaftierter deutscher Staatsbürger. Aus Heikos Mund klingt das in etwa so, als würde er einem geistig zurückgeblieben und mit einem Baseballschläger bewaffneten Hooligan erklären wollen, seinen Knüppel am Kassenhäuschen des Fußballstadions vorher abzugeben. Es ist evident, demokratische Türken sind in etwa so selten wie karierte Kamele.

Wenn man damit rechnen muss, dass die in Deutschland lebenden Kurden vor dem Brandenburger Tor gegen Erdogan demonstrieren wollen und bereits Randale angekündigt haben, sollte selbst dem schlichtesten Gemüt innerhalb unseres politischen Personals klar werden, dass Gespräche mit Despoten bei der Bevölkerung nicht gut ankommen. Aber wie ich schon erwähnte, unserer Polit-Elite sind solche Erwägungen scheinbar egal, auch wenn sie es mit einem Erpresser zu tun haben.

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Claudio Michele Mancini

Claudio Michele Mancini (Jahrgang 1945) ist ein deutsch-italienischer Schriftsteller.

Seit Oktober 2017 schreibt er auch für HESSEN DEPESCHE. In seinen Romanen im Mafia-Milieu greift Mancini reale Kriminalfälle auf, recherchiert Hintergründe vor Ort in Archiven, bei Carabinieri, Staatsanwälten, Richtern, Opfern und Betroffenen.

Bekannte Werke z.B.

  • Infamità. Ullstein, Berlin 2006, ISBN 3-550-08637-7.
  • Finsterland. Holder-Verlag, Winnenden 2003, ISBN 3-9809283-0-6.

 

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