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Kommt der türkische Sultan nach Deutschland?

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) sehr offen für Gespräche mit Recep Tayyip Erdogan

Dienstag, 31 Juli 2018 17:03 geschrieben von 
Kritiker sehen gerade in der SPD schon die 'Fünfte Kolonne' türkischer Interessen in der deutschen Politik Kritiker sehen gerade in der SPD schon die 'Fünfte Kolonne' türkischer Interessen in der deutschen Politik Quelle: Claudio Michele Mancini

München - Kaum war bekannt geworden, dass Recep Tayyip Erdogan sich Ende September zum Staatsbesuch nach Deutschland eingeladen hatte, brodelte es nicht nur dumpf im deutschen Volk. Selbst der Journalistenverband (DVJ) wartete mit Forderungen auf, mit dem Vertreter des Sultanats Türkei nur dann zu sprechen, wenn die Menschenrechte im Mittelpunkt stünden.

Unsere Regierung, insbesondere unser Chef-Konfirmand Heiko Maas (SPD), erklärte jedoch umgehend die Offenheit für Gespräche und möchte den Staatsgast „mit allen Ehren“ hofieren. Zwar gibt es für den Besuch noch keine offizielle Bestätigung, doch wird hinter den Kulissen bereits daran gearbeitet. Im Enddarm des Osmanen wird bald unangenehmes Gedränge herrschen und Heiko Maas dürfte der Erste sein, der dem türkischen Gesäß seine Aufwartung machen wird. Da kann er nur hoffen, dass die Sache einigermaßen "spurenlos" an ihm vorbeigeht und kein unangenehmer Nachgeschmack bleibt.

Wenn man davon absieht, dass der Besuch schon seit langem geplant sei, wie Ulrike Demmer, stellvertretende Regierungssprecherin betonte, bestätigt wieder einmal, dass ganz gleich, wie ein Despot mit seinem eigenen Volk umgeht und welche Menschenrechtsverletzungen stattfinden, dass bei unserer Regierungselite die politische Charakterlosigkeit und Unfähigkeit als herausragende Merkmale hervorstechen. Unser Bundespräsident Steinmeier treibt die Staatsposse noch auf die Spitze, indem er einen selbstherrlichen Tyrannen und Unterdrücker in Berlin empfangen will.

Heikos Statement zum Türkenbesuch ist so elegant formuliert wie seine zu kurzen Anzugshosen und seine zu knapp sitzenden Jacketts. "Man müsse mit jenen reden, bei denen man viele offene Fragen hat." Scheinbar geht der kleine, geschniegelte Geck davon aus, dass Erdogan beim Staatsbankett dessen Fragen beantworten wird. Doch der wird ihm etwas husten und sich vermutlich mit Verve dem leckeren Halal-Menü hingeben. Denn was der Despot aus dem Morgenland im tatsächlich Sinn hat, deckt sich garantiert nicht mit den humanitären Wünschen und Vorstellungen deutscher Politiker.

Das einzige, was Erdogan interessiert sind Geld, Waffen, Ehrerbietung und die Zuwendung seiner türkischen Mitbürger, die ihm bei einem möglichen, öffentlichen Auftritt bejubeln sollen. Denn der osmanische Diktator will in Deutschland Hof halten und zu seinem Volk sprechen. Ich befürchte nur, unsere Kanzlerin lässt zu, dass der türkische Emir auf deutschem Boden seine propagandistische Hetze auf die Spitze treibt und für eine noch feindseligere Stimmung in einer ohnehin schon angespannten Lage sorgt.

Die skurrilen Übereinstimmungen angesichts des angekündigten Staatsbesuches bei der AfD und den GRÜNEN können amüsanter nicht sein. Denn die Vertreter beider Parteien lehnen übereinstimmend die türkische Visite vehement ab, wenngleich aus unterschiedlichen Motiven. Wie sagte Beatrix von Storch (AfD) so prägnant? Auf der Rückreise möge Erdogan seine Jubeltürken gleich mitnehmen. Die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel lehnte den Besuch ganz ab. Für eine Einladung gebe es nach Erdogans „dreister Instrumentalisierung des Fußballers Mesut Özil“ und nach dessen Rücktritt aus der deutschen Nationalmannschaft „nicht den geringsten Grund“. Ich schließe mich dieser Meinung nicht an, denn so wichtig ist der kickende Deutsch-Türke auch wieder nicht.

Nun ja, man muss das Kind auch nicht gleich mit dem Bade ausschütten. Ich würde die vielen Änderungsschneidereien, die Gemüsehändler und Teestubenbesitzer in unserem Straßenbild zwar nicht vermissen, aber viele von ihnen sind bestens integriert und denken nicht daran, Erdogan und seine Allmachtsphantasien zu unterstützen. Es liegt auf der Hand, solange deutsche Staatsbürger in türkischen Gefängnissen ohne Anklage, ohne Urteile und anwaltliche Vertretung schmoren, hat der Mann hier nichts zu suchen. Dass Diplomatie auch seine Grenzen hat, scheint bei unseren weich gebürsteten Staatsvertretern noch nicht angekommen zu sein. So ist auch zu erklären, weshalb in unserem Land nicht nur die Staatsverdrossenheit zunimmt, sondern immer mehr Bürger unsere Volksvertreter nicht mehr ernst nehmen.

Mehr als 70% der deutschen Bürger lehnen den Staatsbesuch ab, so die jüngste Erhebung. Ein weiterer Beweis, dass Mehrheiten unseren gewählten Mandatsträgern in der Regierung am All erwertesten vorbeigehen. Es schert in offenkundig schon lange nicht mehr, was der Souverän – nämlich der Wähler will. Völlig egal, ob es um die Flüchtlingspolitik, um Staatsbesuche, um Waffenlieferungen oder um Dieselgate, Behördenwahnsinn beim BAMF oder ureigenste, wichtige Bedürfnisse in unserem eignen Land geht, mehr und mehr wird man das Gefühl nicht los, dass wir längst von unseren eigenen Despoten regiert werden.

Sie sind vorbei, die Zeiten unserer großen politischen Denker und Lenker. Die 68er-Generation hat uns einen Haufen charakterlose Figuren geschenkt, die mangels Rückgrat, Stolz und Bewusstsein im Kriechgang Politik betreiben. Everybodys Darling eben… das führt zur allgemeinen Verblödung, wie man weiß.

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Claudio Michele Mancini

Claudio Michele Mancini (Jahrgang 1945) ist ein deutsch-italienischer Schriftsteller.

Seit Oktober 2017 schreibt er auch für HESSEN DEPESCHE. In seinen Romanen im Mafia-Milieu greift Mancini reale Kriminalfälle auf, recherchiert Hintergründe vor Ort in Archiven, bei Carabinieri, Staatsanwälten, Richtern, Opfern und Betroffenen.

Bekannte Werke z.B.

  • Infamità. Ullstein, Berlin 2006, ISBN 3-550-08637-7.
  • Finsterland. Holder-Verlag, Winnenden 2003, ISBN 3-9809283-0-6.

 

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