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Tierschützerin fordert Kuhglocken-Verbot

Allgäuer wollen weiterhin Kuhglocken-Geläut in der Alpwirtschaft

Donnerstag, 23 Juli 2015 17:08 geschrieben von 
Kuhglocke Kuhglocke

Kempten - In der Schweiz macht eine selbsternannte Tierschützerin von sich reden, die eine stolze Tradition in der Alpenregion verbieten will: die klingende Kuhglocke zum Alpzug. „Für Kühe sind die Glocken in etwa so laut, als wenn wir uns einen Presslufthammer ans Ohr halten würden“, behauptet die 41-jährige Veganerin Nancy Holten. In ihrer Facebook-Gruppe „Kuhglocken out“ kämpft sie mit etwa 3.800 Gleichgesinnten verbissen für ein gesetzliches Verbot des Glockentragens Schweizer Kühe.

Die Reaktion der Eidgenossen ließ nicht lange auf sich warten: die Facebook-Gruppe „Pro Kuhglocken“ schaffte es in kurzer Zeit auf über 18.000 Unterstützer. Die von vielen als Angriff auf landschaftsprägendes Kulturgut und die Arbeitsweise der Viehwirte verstandene Kampagne wiegt umso schwerer, weil die Kuhglocken-Gegnerin Nancy Holten eine zugezogene Niederländerin ist. Lucas Berger, der Initiator der Facebook-Seite „Pro Kuhglocken“, schreibt ihr ins Stammbuch: „Wenn man sich entscheidet, in ein fremdes Land auszuwandern, sollte man sich vorher mit den Gegebenheiten, Traditionen und Gebräuche der zukünftigen Wahlheimat auseinandersetzen! Da gehört auch eine Anpassung an das neue Land dazu! Traditionen entstehen nie einfach ohne Grund, sondern werden von Generation zu Generation überliefert und gegebenenfalls auch angepasst…. Kuhglocken sind nicht nur eine Tradition der Schweiz, sie sind auch ein Bild der Schweiz, welches man als Tourist hier vermittelt bekommt.“

Holten beklagt mittlerweile Anfeindungen in den sozialen Netzwerken und persönliche Belästigungen. So habe sie einen anonymen Anruf erhalten, bei dem mit einer Kuhglocke in den Hörer gebimmelt worden sei. Die Sprecherin einer Interessengemeinschaft gegen Lärm und für Kuhrechte lässt Gegenargumente der Traditionsbefürworter nicht gelten. Dazu gehört die Schutzfunktion der Glocken in abgelegenen Tälern, die wilde Tiere vertreiben und den Viehbauern das Auffinden ihrer Kühe erleichtern. Zudem werden die großen Glocken nur beim festlichen Alpaufzug und -abzug angelegt; auf den Weiden tragen die Tiere wesentlich kleinere und leichtere Glocken.

Längst hat die Debatte auch die bayerische Alpenregion erreicht, wo die gleichen Argumente aufeinanderprallen. Aber auch im Allgäu tritt eine übergroße Mehrheit für den weiteren Einsatz von Kuhglocken in der Alpwirtschaft ein. In einer Online-Umfrage der Allgäuer Zeitung sprechen sich mehr als 75 Prozent der etwa 3.000 Teilnehmer für die vertraute Kuhglocke in der heimischen Landwirtschaft aus. Mit Blick auf eine umstrittene Studie der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) zu den Auswirkungen der Kuhglocken sagt der Ostallgäuer Amtsveterinär Franz Götz, er habe weder Verhaltensänderungen bei Tieren mit Glocken festgestellt noch dass Kühe mit Glocken weniger fressen.

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Max Semmler

Max Semmler wurde 1978 geboren und studierte an einer süddeutschen Universität Geschichte sowie Soziologie.

Er ist seither als freiberuflicher Journalist mit den Schwerpunkten Bundes- und Landespolitik tätig. Sein besonderes Interesse gilt der Politik in Bayern und seinen sieben Regierungsbezirken.

Webseite: www.bayern-depesche.de
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