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Polnische Medien klären auf

Macheten-Mörder von Reutlingen führte keine Beziehung mit seinem Opfer

Dienstag, 26 Juli 2016 17:09 geschrieben von 
Macheten-Mörder von Reutlingen führte keine Beziehung mit seinem Opfer Quelle: www.fakt.pl (Screenshot)

Leipzig – In vielen deutschen Medien wird immer noch das Gerücht verbreitet, bei dem grauenhaften Macheten-Mord von Reutlingen habe es sich um eine Beziehungstat gehandelt. Der Täter, ein bereits polizeibekannter 21-jähriger syrischer Asylbewerber, sei mit seiner Lebensgefährtin, einer 45 Jahre alte Polin, am Sonntagnachmittag an deren Arbeitsplatz, einem Döner-Imbiss, in Streit geraten und habe sie dann mit einem Dönermesser, nicht mit einer Machete, niedergemetzelt.

Polnische Medien stellen die Sache ganz anders dar. Wie das Magazin „Fakt“ am Dienstag auf seiner Internetseite berichtete (http://www.fakt.pl/wydarzenia/swiat/zamordowana-w-reutlingen-polka-osierocila-czworke-dzieci/n0xtcgz), führte die getötete 45-jährige Polin, eine alleinerziehende Mutter, die vier Kinder hinterlässt, keine Beziehung mit dem wesentlich jüngeren Syrer. Vielmehr habe sie dieser schon seit längerer Zeit an ihrem Arbeitsplatz aufgesucht und belästigt. Der Täter habe nicht in dem Imbiss gearbeitet.

Laut dem „Fakt“-Bericht habe die in bescheidenen Verhältnissen lebende Frau vor drei Monaten eine Arbeit als Küchenhilfe in dem Döner-Imbiss aufgenommen, um für sich und ihre Familie finanziell zu sorgen. Am Tattag kam sie gerade von einem Besuch ihrer Familie in Polen zurück.

Ihr Peiniger besuchte den Imbiss regelmäßig, um dort seine Landsleute zu treffen. Er habe die polnische Mitarbeiterin permanent belästigt, heißt es in dem Artikel von „Fakt“, so dass er deshalb mehrmals von den Mitarbeitern des Dönerladens und vor die Tür gesetzt werden musste.

Am Sonntag habe der Syrer dann gegen 16:30 Uhr mit einer riesigen Machete bewaffnet den Imbiss durch den Hintereingang betreten. Er griff die Polin, die seinen Avancen nicht nachgekommen war, unvermittelt in blinder Wut angegriffen. Es gab also offenbar weder einen Streit, noch kann hier von einem beidseitigen Liebesverhältnis gesprochen werden.

Dass die Sprecher der Stadt Reutlingen und des Reutlinger Polizeipräsidiums trotz anderslautender Medienberichte aus Polen immer noch im Brustton der Überzeugung von einer Beziehungstat sprechen, muss einen ebenso befremden wie die Tatsache, dass ein Großteil der deutschen Medien diese Behauptung ungeprüft wiedergibt. Eine vernünftige Information der Öffentlichkeit sieht anders aus.

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Michael Krug

Michael Krug (Jahrgang 1974) kam vor Jahren aus dem norddeutschen Hamburg nach Sachsen.

Seine alte und seine neue Heimat verbindet die Elbe. Heute pendelt er zwischen Dresden und Frankfurt am Main. Ursprünglich aus der volkswirtschaftlichen Richtung kommend, entwickelte sich der studierte Journalist zu einem Vollblutberichterstatter aus Politik, Medien, Lifestyle, Kultur und Wirtschaft. Seit Mai 2016 gehört er unserer Redaktion an.

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