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Vom Zeitungs-Star zum Hartz-4-Empfänger

Im Abwärtstrend der Lückenpresse

Freitag, 01 Juni 2018 20:22 geschrieben von 
Im Abwärtstrend der Lückenpresse Quelle: UGL Münchhausen / HESSEN DEPESCH

München - Nicht nur die Auflagen der FAZ sind in den letzten Jahren dramatisch zurückgegangen. Sie sind um nahezu 38 % geschrumpft. Bei der SZ sieht die Quote noch vernichtender aus. Die schlagen sich mit einem Minus von weit über 45 Prozent Abonntenverlust herum. Der SPIEGEL hat sich auch dank eines personellen Kahlschlages und der Trennung von ihren besten Redakteuren inhaltlich und hinsichtlich ihres Niveaus ins untere Mittelmaß verabschiedet und ist geradezu ins Bodenlose abgestürzt.

Die etablierten Blätter müssen sich seit mehr als 3 Jahren immer wärmer anziehen. Das mag verschiedene Gründe haben, ganz sicher trägt das Internet zu dieser Entwicklung bei. Aber machen wir uns nichts vor. Die Presse, und damit meine ich die manisch unbelehrbaren, roten Redakteure, hat immer noch nicht begriffen, dass sich ihre Kunden auf lange Sicht nicht veralbern lassen. Nun herrscht Endzeitstimmung und die Hyänen der schreibenden Zunft stürzen sich mit Verve auf die übelriechenden Reste ihrer Überzeugungsarbeit.

Wenn sich Leser nicht mehr auf den substantiellen Inhalt und deren Richtigkeit verlassen können, und man berechtigte Zweifel an der authentischen Wiedergabe von Sachverhalten haben muss, ist jeder erklärende Kommentar obsolet. Dabei ist es völlig gleichgültig, um welches Thema es sich handelt. Ob nun AfD oder Kindererziehung, ob Migranten oder Terrorismusfragen, es geht diesen scheinheiligen Bedürfniserfüllern großer Blätter schon lange nicht mehr um Berufsethos, und schon gar nicht mehr um Ehrlichkeit. Ja, die Meinungsbeherrscher haben hart am eigenen Untergang gearbeitet. Ihr Erfolgsrezept? Arroganz und der Glaube an die eigene Wahrheit, mag sie noch so falsch und weltfremd sein.

Insbesondere in der Flüchtlingsproblematik übertrifft sich die Mehrheit der Journalisten mit Verve und dem Anspruch der Humantitätshoheit mit undifferenziertem Samaritergewäsch, das den Bürgen jeden Appetit auf den morgendlichen Konsum einer Tageszeitung verdirbt. Den Genderwahn gibt es als Zuckerchen obendrauf. Immer noch sind diese Schreiber von dem, was sie tagtäglich von sich geben, überzeugt. Wenn sie dabei wenigstens stilistisch und rhetorisch überragend wären. Stattdessen vergewaltigen sie mit ihren pseudo-intellektuellen Umerziehungsversuchen die Semantik, widmen tradierte Begrifflichkeiten und Termini aus dem letzten Jahrhundert um in „Unworte“ und stigmatisieren alt hergebrachte Idiome und Redensarten als Vokabular des dritten Reiches.

Es gilt, mithilfe eines pervertiert-provokanten Sprachduktus den Zeitgeist an die politischen Vorgaben anzupassen. Mit von der Partie sind die heuchlerischen und von Humanität triefenden Institutionen die die Massenmedien, Presse, Funk und Fernsehen vor ihren Karren gespannt haben. Sie alle maßen sich nach wie vor an, die öffentliche Meinung zu verkörpern. Mit pausenlosem Trommelfeuer von so genannten Meinungsbildnern soll das Hirn des zahlenden Bürgers aufgeweicht und willfährig gemacht werden. Doch die Hofnarren haben bald ausgedient. Sie werden von Online-Redakteuren abgelöst. Gnadenlos.

Wenn ich davon absehe, welches Ziel die Schreiber linkslastiger Blätter verfolgten, könnte man schnell auf den überspitzen Gedanken kommen, die Schmierfinken der Presse bekämpfen die gewählten und von ihnen erklärten AfD-Rassisten ebenso wie klardenkende, aber renitente Bürger. Die Pseudo-Moral der Zeitungen ist zu bedauernswerten Rettungsversuchen von Käuferschichten verkommen und keiner der Verleger wollte diesen nicht zu übersehenden Sachverhalt wahrhaben. Die Frage ist erlaubt: Welche der beiden Seiten darf und kann man noch ernst nehmen? Die einst seriösen Zeitungen verspielten ihre Reputation, weil deren Redakteure zu Hasardeuren von marktschreierischen und irreführenden Schlagzeilen wurden - ein trauriges Faktum. "Cum grano salis", das ist alles, was man zu Berichterstattungen dominierender Meinungsbildner noch sagen kann.

Es bleibt ein bitterböser Nachgeschmack. Die Einflussnahme auf Inhalte durch vorsätzliche und bewusste Verfremdung, durch absichtliches Verschweigen von Kontexten oder durch Weglassen erklärender Informationen, um eine vorhersehbare Wirkung beim lesenden Publikum zu erzielen, ist nicht nur perfide, es ist auch kriminell. Nicht mehr, nicht weniger. Legen wir den Maßstab an, dass Politiker aufgrund ihres Berufes eine besondere Verantwortung haben, so gilt dieser Maßstab umso mehr für schreibende Journalisten. Jetzt fallen sie der Instrumentalisierung durch die Politik zum Opfer. Fundamental-romantisierte Journalistenpädagogik fehlgeschlagen. Mein Mitleid hält sich in Grenzen.

Denn inzwischen sind viele jener halsstarrig rechthaberischen Schreibtischtäter in der Arbeitslosigkeit gelandet. Ungewaschen, stoppelbärtig und von der Welt missverstanden, rotten sie sich in München in den einschlägigen Lokalen wie dem „Brenners“ zusammen und schlagen nun, die Wunden leckend, ihre Zeit tot. In Frankfurt und Hamburg das gleiche Bild. Beim Suff hauen sie sich gegenseitig ihre vergangenen Heldentaten um die Ohren, indem sie in weinerlichem Selbstmitleid die Ungerechtigkeit der Leser beklagen, die sie jahrelang indoktrinieren wollten. Bei billigem Wein und an verklebten Tischen verfluchen sie die ehemals treuen Konsumenten ihrer verbalen Schmierereien, von denen sie jetzt als Meinungsmanipulateure und willfährige Erfüllungsgehilfen politischer Interessen gebrandmarkt werden. Ja, sowas…!

Doch auch der Rest der altgedienten Wahrheitsverkünder, insbesondere bei den TV-Sendern, scheint die Gefahr ganz allmählich zu erkennen. Es gilt, den gut bezahlten Arbeitsplatz zu retten und nachzudenken. Dort und auch in den so genannten Talk-Shows stellt sich nämlich nicht nur die Frage, wie man Glaubwürdigkeit und damit Publikum zurückgewinnt, ohne gleichzeitig noch unglaubwürdiger zu werden, sondern auch unter allen Umständen zu vermeiden, das so sorgsam gepflegte rote Weltbild nicht allzu auffällig zu verleugnen.

Ja, ja, den Opportunisten weht ein scharfer Wind ins Gesicht. Ich gebe zu, eine gewisse Häme kann ich nicht verbergen, wenn ich durch München ziehe und diese einstmals so ernst genommene Journalisten-Elite beobachte, wenn sie „in memoriam“ der guten Zeiten ihre Genialität im Alkohol ertränken. Da kann ich nur noch sagen: Selbst gewählter Gottesdienst.

Letzte Änderung am Samstag, 02 Juni 2018 03:13
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Claudio Michele Mancini

Claudio Michele Mancini (Jahrgang 1945) ist ein deutsch-italienischer Schriftsteller.

Seit Oktober 2017 schreibt er auch für HESSEN DEPESCHE. In seinen Romanen im Mafia-Milieu greift Mancini reale Kriminalfälle auf, recherchiert Hintergründe vor Ort in Archiven, bei Carabinieri, Staatsanwälten, Richtern, Opfern und Betroffenen.

Bekannte Werke z.B.

  • Infamità. Ullstein, Berlin 2006, ISBN 3-550-08637-7.
  • Finsterland. Holder-Verlag, Winnenden 2003, ISBN 3-9809283-0-6.

 

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