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Nur Sachsens Michael Kretschmer (CDU) störte den Genossen-Talk

Anne Will: Roter Stuhlkreis klopft sich auf die eigenen Schultern

Montag, 03 September 2018 23:15 geschrieben von 
Anne Will: Roter Stuhlkreis klopft sich auf die eigenen Schultern Quelle: Claudio Michele Mancini, ARD

München - Es ist doch zu schön, wenn man in kleinem Freundeskreis im Straßencafé sitzt und über anwesende und ankommende Gäste ablästern kann. Es ist des  deutschen liebstes Hobby, über all die vom „Herrn“ im Zorn erschaffenen Besucher rings um unseren Tisch, über die geschmacklos Gekleideten, über dämliche Gesichter, über das blöde Geschwätz am Nachbartisch, die unmöglichen Paar-Konstellationen gegenüber und vor allem über jene herzuziehen, die gar nicht anwesend sind. Nur wir, - wir sind die Normalen und amüsieren uns köstlich.

Anne Will scheint am Sonntag der gleichen Leidenschaft gefrönt zu haben. Denn sie hatte mit einer Ausnahme, dieses Mal nur Freunde um sich versammelt, die der gleichen Parteifamilie angehörten. Sozusagen ein roter Stuhlkreis, bei dem sich allesamt als lupenreine Demokraten feiern durften und über die Gegner, gleich welcher Gesinnung, ablästern konnten. Die Wohlfühlparty im öffentlich-rechtlichen ARD hätte man anschließend als gelungen bezeichnen können, wäre da nicht dieser Fremdkörper der CDU, Ministerpräsident Michael Kretschmer dabei gewesen, der die rote Behaglichkeit ein wenig störte.

Da saßen sie nun zusammen, in linkspopulistischer Einigkeit. Allen voran dieser schmerzbefreite Olaf Sundermeyer, studierender Gastwirt ohne Abschluss und selbsternannter Experte in Sachen Rechtspopulismus. Ihm Gegenüber hatte Serdar Somuncu Platz genommen, ein rot-grüner Kabarettist aus Istanbul, und somit prädestiniert, der Diskussion ein links-kontaminiertes Debatten-Kolorit zu verleihen. Dazu gesellte sich Petra Köpping (SPD und sächsische Staatsministerin für Gleichstellung und Integration), ein ehemaliges aktives SED-Mitglied, kadergeschult und geradezu ideal geeignet, den Gegnern der Ausländerpolitik ein Grab zu schaufeln. Abgerundet wurde die Populistenrunde mit Wolfgang Thierse (SPD), dem der Habitus des einzig wahren Demokraten Deutschlands vorauseilt.

Thierse wurde seinem Ruf umgehend gerecht, indem er in pädagogisch wertvollem Timbre in der Stimme, allen Anwesenden und jenen an den Bildschirmen erklärte, wie man zu demonstrieren hat, um als rechter Demokrat zu gelten. Für ihn sind die Bürger das Problem und nicht etwa die Politik. Na, sowas…! Sein Hinweis, dass sich jeder, der gemeinsam mit der AfD oder Rechtsextremisten durch die Stadt zieht, mit der Sache der braunen Brut gemein macht, kann weltfremder kaum sein, wurde aber dennoch allfällig abgenickt.

Wer will sich anmaßen, die Gesinnung eines jeden der da mitmarschiert, zu durchschauen, insbesondere dann, wenn sich Massen zusammendrängen und vermischen. Verlässt Herr Thierse empört den Bus oder der U-Bahn, weil ein Rechtsradikaler eingestiegen ist und auf der Sitzbank vor ihm Platz nimmt, weil er das gleiche Ziel hat? Ein solch unreflektiertes Geschwätz lässt jeden, der einmal bei einer Demonstration mitmarschiert ist, an dessen Verstand zweifeln. Erwartet dieser rote Problempädagoge hellseherische Fähigkeiten von Bürgern, die aus Empörung gemeinsam auf die Straße gehen, sollen sie etwa erkennen, welche politischen Parteien die Menschen rings um sie herum wählen?

Anne Will hatte in ihrer gestrigen Talkshow aufgerüstet und dieses Mal Gäste geladen, die unschöne Diskussionen erst gar nicht hätten aufkommen lassen. Da fragt man sich, welchen Sinn solche Talkrunde erfüllen und was dabei herauskommen soll. Nun ja, man konnte ein wenig auf Michael Kretschmer eindreschen, der angesichts der roten Übermacht sich mehr oder weniger auf den Zungenschlag der Roten einließ, um nicht völlig unterzugehen und somit als kompletter Depp die Runde zu bereicherte. Dieser arme Mensch, der schon bei seinem verunglückten Bürgergespräch wegen offenkundiger Falschdarstellung der Hetzjagden auf Ausländer gewaltig zurückrudern musste, konnte einem beinahe leid tun, da er doch im Staatsfernsehen mit der gemeinsamen Verurteilungsorgie seinen Chemnitzern wieder in den Rücken fallen musste. Das macht in Sachsen ganz sicher gute Laune.

Lange Rede, kurzer Sinn, in den Köpfen der Anwesenden schienen, angespornt durch die suggestive Moderation, Neonazis, Rechtsradikale, Hooligans und gewaltbereite AfD-Mitglieder in einem Topf zu kochen, die geballte rote Motivation zu aktivieren. Vermutlich kann man den Verurteilungseifer damit begründen, dass die Farbe Rot in den Synapsen der Anwesenden zu schwerwiegenden Wahrnehmungsverzerrungen führten. Nun ja, Linksextremisten unter sich, da darf man nur eine Farce erwarten.

Obwohl der ermittelnde Staatsanwalt Sachsens nach einer Woche Ermittlungen abschließend erklärt hatte, dass es „keine Hetzjagden“ in Chemnitz gegeben hatte, hält sich hartnäckig das zersetzende Märchen der Fremdenhatz. Nicht nur die Kanzlerin, auch ihr Regierungssprecher behaupteten ohne Belege, es habe in Chemnitz „Hetzjagden“ auf Ausländer gegeben. Auf diesbezügliche Anfragen schwiegen beide und zogen sich sicherheitshalber aus der Debatte zurück. Nichtsdestoweniger reiten die Medien weiterhin auf der Umerziehungskampagne unserer Regierung.

Sogar unsere allseits geliebte "Dunja Halali" wagte sich in die "Braune Kloake" von Chemnitz und durfte sich glücklich schätzen, dass man ihr dort nicht das "Halali" geblasen hat. Sie stand mit ihrem Fernsehteam inmitten einer aufgebrachten Gruppe, die der rot-indoktrinierten Meinunsmanipulateuse stattdessen gehörig den Marsch blies. Nichts war es mit Aufnahmen, mit denen man im ZDF dem TV-Konsumenten Weltuntergangsszenarien unter die Nase reiben oder gar den Beweis antreten konnte, dass Sachsens Bürger allesamt AfD-Chaoten oder fremdenfeindliche Rassisten seien. Als sie bemerkte, dass das Gespräch mit einer stark argumentierenden Dame für sie in die Hose ging, weil man ihr tendenziöse Berichterstattung unterstellte, versuchte sie, die Videoclips, die sich im Internet wie ein Flächenbrand verbreiteten, nachträglich löschen zu lassen. Ihr Satz: Ausgewogene Berichterstattung sei nicht ihr Auftrag, war nun filmisch festgehalten und entlarvte die Dame.

Der alltägliche Polit-Talk, das darf man mit Fug und Recht behaupten, hat angesichts der Chemnitzer Vorfälle rund um den Mord an Daniel H., unübersehbar zu einer massiven Frontverhärtung medialer und politischer Einflussnahme geführt. Doch wer unter dem „demokratischen Label“, wie beispielsweise Kipping (Linke), Cem Özdemir (Grüne), Steffen Seibert (CDU) weiterhin behaupten, dass hunderte Menschen durch die Straßen getrieben und halb totgeschlagen wurden, haben sich aus meiner Sicht ebenso die Bezeichnungen „Hetzer“ und „populistischer Agitator“ verdient. Sie befinden sich mindestens auf der gleichen Ebene wie jene, die sie verurteilen. Ja, sie befeuern mit offenkundigen Falschbehauptungen, mit Diffamierungen, Diskreditierungen die gefährliche Stimmungslage in unserem Land.

Bezeichnend ist, dass die Urasche der Chemnitzer „Aufstände“ so gut wie nie diskutiert und die Begriffe Mord oder Mörder schamhaft vermieden werden. Es ist stets von einem „Verstorbenen“ die Rede. Auch die brandaktuelle Meldung, dass in Frankfurt/Oder am Sonntagmorgen 15 bewaffnete Araber einen Szene-Club mit den Worten `Allahu Akbar´- stürmten und den Gästen zuriefen: `Wir töten euch alle´, keiner Erklärung für die Stimmung im Osten würdig ist. Sie finden bei den Genossen der Talkrunde selbstredend keinen Raum.

Wenn Thierse die Heimkehrer von Soldaten nach dem 2. Weltkrieg und die „Integration der Deutschen aus der DDR mit der aktuellen Alimentierung und Aufnahme von 2. Millionen männlichen Moslems aus archaischen Staaten gleichsetzt, hat bei mir jeden Respekt verwirkt. Es ist nicht mehr als ein dümmlicher Vergleich, der jeder Realität entbehrt. Pluralismus, Meinungsfreiheit, Akzeptanz der Nöte anderer, sie sind im Vokabular dieses vernagelten Oberlehrers nicht vorhanden.

Interessanterweise beginnen die Sätze der SPD oder CDU Politiker stets mit: "Wir Demokraten verurteilen Pauschalverurteilungen…", ledern aber mit den gleichen Verallgemeinerungen gegen alles, was nicht ihrer Meinung oder ihrer politischen Gesinnung ist. Natürlich gab es kleinere Auseinandersetzungen. Es ist auch richtig, dass einige mit Hitlergrüßen und erheblicher Stimmungsmache das Bild einer weitgehend friedlichen Demonstration in den Dreck zogen. Und selbstredend müssen "rechtsextreme Tendenzen" korrigiert werden. Aber ganz sicher nicht mit falschen Darstellungen, verzerrenden Behauptungen, mit impliziten und expliziten Vorwürfen, mit denen man eine ganze Stadt, ja, ein ganzes Land in einen gesellschaftlichen Sumpf expediert.

Es ist müßig, immer wieder auf die Schuldigen einer solchen politischen Entwicklung zu zeigen. Frau Merkel (CDU) weiß selbst, welchen Schaden sie im Volk zugefügt hat. Sie wird in die Geschichte jener Politiker eingehen, denen man später die schwersten Fehler nachsagen wird. Es kommt der Tag, an dem sie sich verantworten müssen.

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Claudio Michele Mancini

Claudio Michele Mancini (Jahrgang 1945) ist ein deutsch-italienischer Schriftsteller.

Seit Oktober 2017 schreibt er auch für HESSEN DEPESCHE. In seinen Romanen im Mafia-Milieu greift Mancini reale Kriminalfälle auf, recherchiert Hintergründe vor Ort in Archiven, bei Carabinieri, Staatsanwälten, Richtern, Opfern und Betroffenen.

Bekannte Werke z.B.

  • Infamità. Ullstein, Berlin 2006, ISBN 3-550-08637-7.
  • Finsterland. Holder-Verlag, Winnenden 2003, ISBN 3-9809283-0-6.

 

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