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Mobilfunkanbieter verfügt Schuldenerlass für Asylanten

Vodafone erlässt einem Asylbewerber 3.500 Euro Handy-Schulden

Donnerstag, 31 Dezember 2015 21:54 geschrieben von 

Ebersberg - Nach Abschluss eines Handy-Vertrages vertelefonierte ein afrikanischer Asylbewerber in kurzer Zeit 3.500 Euro, die ihm von Vodafone nun erlassen worden sind. Das berichtet die Münchner Zeitung „Merkur“.

Um regelmäßig mit seiner Familie in Mali sprechen zu können, hatte ein Bewohner der Asylunterkunft im oberbayerischen Ebersberg in einem Münchner Handy-Laden einen Zwei-Jahres-Vertrag mit zahlreichen Zusatzleistungen abgeschlossen. Dazu gab es ein neues Smartphone samt SIM-Karte. Der Asylbewerber glaubte offenbar, für die monatliche Summe von 80 Euro ohne Zeit- und Ortsbegrenzung telefonieren zu können, solange er will und wohin er will.

Nach mehrmaligen, stundenlangen Telefonaten mit der Heimat bekam der Afrikaner die erste Handy-Rechnung über mehrere Hundert Euro ins Asylantenheim geschickt. Weil er nicht zahlte, folgten bald die ersten Mahnungen. Die Schuldensumme wuchs und wuchs. „Flüchtlingshelfer“ Josef Probstmeier erinnert sich an den Fall des Asylbewerbers: „Er kam ziemlich schockiert auf mich zu und hat mir alles gezeigt.“ Dann kamen weitere fünf Asylheim-Bewohner auf Probstmeier zu und präsentierten ihm ihre Mahnungen.

Probstmeier suchte umgehend den Kontakt zum Mobilfunkanbieter, um die misslichen Telefonschulden seiner Schützlinge aus der Welt zu schaffen. Doch ein halbes Jahr lang bekam er nach eigener Aussage keine Rückmeldung von Vodafone. Zwischenzeitlich wurden auch Inkassounternehmen aktiv, um die Forderungen einzutreiben.

Der Mann aus Mali hatte in kurzer Zeit einen Schuldenberg von 3.500 Euro angehäuft, ein anderer Flüchtling schuldete dem Mobilfunkanbieter 2.300 Euro und vier weitere Asylanten hatten offene Rechnungen im höheren dreistelligen Bereich.

Nach einem ersten Medienbericht über die exorbitanten Handy-Schulden des Ebersberger Asylanten gab es plötzlich eine Reaktion des Unternehmens. Probstmeier sagt: „Eine Mitarbeiterin hat mich angerufen und gesagt, der Anbieter wolle das alles schnell bereinigen. Ich sollte ihr alle Kundendaten schicken, um die es geht.“ Einige Zeit später wurde ihm dann in einer E-Mail mitgeteilt: „Der Fall ist endgültig abgeschlossen und das Kundenkonto komplett bereinigt.“ Als der „Flüchtlingsbetreuer“ nachfragte, ob der Schuldenerlass für alle abgemahnten Asylbewerber gelte, lautete die Antwort: „Es betrifft alle untenstehenden Kundenkonten.“

Laut Probstmeier war die Erleichterung im Asylheim daraufhin groß. Die Nachricht, dass man in Deutschland auch Handy-Schulden anhäufen kann, ohne diese begleichen zu müssen, wird sich unter Flüchtlingen sicherlich wie ein Lauffeuer verbreiten und der Erzählung vom Schlaraffenland neue Nahrung geben.

Volker Petendorf, Pressesprecher von Vodafone, sagte, dass es einen solchen Schuldenerlass für Asylbewerber bisher nur in Ebersberg gebe. Doch auch wenn weitere Asyl-Helfer mit dem gleichen Problem auf den Mobilfunkanbieter zukämen, werde man einvernehmliche Lösungen finden. Die einzige Lehre, die das Unternehmen aus dem Vorfall ziehen will, ist eine bessere Mitarbeiterschulung in den Vodafone-Shops zum Umgang mit Asylanten. „Unser Grundsatz lautet, dass wir keine 24-Monats-Verträge mit Asylbewerbern abschließen. Da ist eine Prepaid-Karte sinnvoller“, so Petendorf.

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Max Semmler

Max Semmler wurde 1978 geboren und studierte an einer süddeutschen Universität Geschichte sowie Soziologie.

Er ist seither als freiberuflicher Journalist mit den Schwerpunkten Bundes- und Landespolitik tätig. Sein besonderes Interesse gilt der Politik in Bayern und seinen sieben Regierungsbezirken.

Webseite: www.bayern-depesche.de
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