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Explodierende Kosten für „unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“

Ein Heimplatz für junge Asylbewerber kostet jährlich 60.000 Euro

Dienstag, 03 November 2015 21:41 geschrieben von 
Explodierende Kosten für „unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“ Explodierende Kosten für „unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“

München/Lindenberg - Nachdem sich die Willkommenseuphorie gelegt hat und die Stimmung in der Bevölkerung kippt, wird zunehmend unbefangen über die finanziellen Belastungen durch die Massenzuwanderung diskutiert. Fachleute aus den Behörden gehen davon aus, dass jeder Asylbewerber im Jahr direkte Kosten von 13.000 bis 14.000 Euro verursacht. Die Kosten für aufwändige medizinische Behandlungen oder langwierige Sprachkurse für Asylanten „mit Bleibeperspektive“ sind hier noch nicht eingerechnet. Legt man die für dieses Jahr erwartete Zahl von 1,5 Millionen Flüchtlingen und die direkten Kosten von 13.000 bis 14.000 Euro je Asylant zugrunde, kommt man auf einen Jahresbetrag von etwa 20 Milliarden Euro.

Besonders hoch ist der Finanzbedarf für die Unterbringung, Verpflegung und Betreuung sogenannter unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge. Weil alle Asylsuchenden gegen EU-Recht einfach nach Deutschland weitergeschickt werden, obwohl sie ihre Asylanträge eigentlich in EU-Drittstaaten stellen müssten, kommen auch die allermeisten dieser jungen Asylanten in Bayern an.

Im August – also vor der großen Einwanderungswelle infolge von Angela Merkels Politik der offenen Grenzen – waren in Bayern nach Angaben des dortigen Sozialministeriums bereits mehr als 11.000 unbegleitete Minderjährige angekommen und man rechnete monatlich mit etwa 1.200 Neuzugängen – eine Prognose, die angesichts der rasant steigenden Asylantenzahlen überholt ist. Die jungen Asylbewerber werden von den Jugendämtern untergebracht, verpflegt und betreut. Dies geschieht in kleinen Gruppen in Jugendheimen, Pensionen oder eigenen Wohnungen, wo ihnen rund um die Uhr Sozialarbeiter der Jugendämter zur Verfügung stehen. Die Minderjährigen, die nicht selten Analphabeten sind, erhalten intensiven Deutschunterricht und sollen so auf die Schule und eine mögliche Lehrstelle vorbereitet werden. Die Kosten für dieses Betreuungsprogramm sind immens.

Der Landkreis Lindau muss deshalb für 80 gemeldete „unbegleitete jugendliche Flüchtlinge“ 400.000 Euro im Monat ausgeben. Damit kostet ein Heimplatz im Schnitt 5.000 Euro monatlich. Christian Roerig, Geschäftsführer der Kinder- und Jugendeinrichtung „Zum Goldenen Hirschen“ in Lindenberg im Westallgäu, beherbergt 15 jugendliche Asylanten. Angesichts des Massenzustromes immer neuer Asylanten sagt er: „Ich mache mir Sorgen. Sorgen, dass die professionelle Hilfe, die die jungen Menschen brauchen, unter diesem Ansturm nicht mehr möglich ist. Und ich mache mir Sorgen, dass unter dem Eindruck der großen Zahl an Asylbewerbern die Stimmung in der Bevölkerung kippen wird.“

Die monatlichen Kosten von 5.000 Euro beziehungsweise die jährlichen Kosten von 60.000 Euro für jeden Heimplatz eines minderjährigen Asylanten bestätigt auch der Präsident des bayerischen Landkreistages, Christian Bernreiter. Mit Blick auf die jährlichen Heimplatz-Ausgaben von 60.000 Euro für jeden Jugendlichen spricht der CSU-Landrat des Landkreises Deggendorf nahe Passau von einem „explosionsartigen Anstieg“ der Kosten. Schon im August schätzte Bernreiter die Unterbringungs- und Betreuungskosten für die minderjährigen Asylanten in Bayern für das Jahr 2015 auf mehr als eine halbe Milliarde Euro.

Die meisten jungen Asylanten in Bayern hat München zu betreuen. Vor der Ankunft Zehntausender am Hauptbahnhof wurden dort rund 4.200 minderjährige Flüchtlinge betreut, und die Stadt rechnete mit einem Anstieg auf 10.000 bis Jahresende. Aktuelle Prognosen liegen weit über dieser Zahl. Wie beim Asylverfahren selbst tricksen und lügen die Ankömmlinge auch bei der Altersangabe. Nach Aussage der Münchner Sozialreferentin Brigitte Meier geben bis zu 40 Prozent der Asylbewerber ein jüngeres Alter an. Da auch sie meist keine Ausweise vorlegen, muss deren Alter geschätzt werden. Aus der Sozialbehörde heißt es dazu: „Es hat sich herumgesprochen, dass die Unterbringung und Betreuung als ‚Minderjähriger‘ weitaus besser ist, daher geben viele ein falsches Alter an.“

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Jürgen Werner Gansel

Jürgen Werner Gansel (Jahrgang 1974) wurde in Opladen geboren.

Er ist verheiratet, hat ein Kind und ist gelernter Historiker M.A. mit Abschluß des Studiums der Mittleren und Neueren Geschichte sowie der Politikwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Von 2004 bis 2014 war er Mitglied des Sächsischen Landtages. Seit Juni 2015 gehört er zur Redaktion von BAYERN DEPESCHE.

Webseite: www.bayern-depesche.de
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